Besuch der Ministerpräsidentin

Ministerpräsidentin Lieberknecht auf „Thüringentour 2020 Aufbruch und Zukunft“

Eichsfelder Bodenständigkeit als Standortvorteil: Aquila GmbH

Hydrauliksysteme zischen während mit Wellpappe beladene Paletten wie von Geisterhand gesteuert durch die weitläufige Produktionshalle der Aquila GmbH in Leinefelde fahren. Schier endlose Rollen Papier laufen durch die großen Maschinen, die aus dem Rohmaterial Wellpappe in den verschiedensten Formen und Stärken formen. Die fertigen Paletten werden vollautomatisch ausgezeichnet, verpackt und schließlich im 30 Meter hohen Hochregallager untergebracht.

"Derzeit ist das die modernste Anlage zur Produktion in Wellpappe in Europa", erläutert Geschäftsführer Thomas Schwalbach beim Rundgang durch das Werk. Rund 120 Millionen Quadratmeter des Verpackungsmaterials können derzeit pro Jahr hier produziert werden, am Tag verlassen bis zu
40 voll beladene Lkw den Betrieb im Eichsfeld. Hergestellt werden Wellpappen, die vom Umzugskarton bis zu Getränkeverpackungen für die verschiedensten Zwecke eingesetzt werden können. Schwerpunkt sei derzeit aber die Herstellung von Versandtaschen, die unter anderem von den Logistikunternehmen in Erfurt stark nachgefragt würden, sagt Schwalbach.

In einer Rekordbauzeit von nur etwa fünf Monaten wurde die gesamte Anlage 2012 errichtet und in Betrieb genommen, erzählt Geschäftsführer Martin Schnizer. Seitdem steige die Nachfrage stetig. "Derzeit herrscht der Irrsinn, dass in Deutschland Papier nach Westen und die Verpackung nach Osten transportiert wird", sagt Schnizer. "Unsere Grundidee war es, diese Lücke zu schließen."

Der Erfolg liege jedoch nicht nur am Konzept, sondern auch an dem ganz besonderen Standort, ergänzt Schwalbach. Denn in der Verpackungsindustrie sei die Nähe zum Kunden einer der wichtigsten Erfolgsrezepte. "Wegen der Lage in der Mitte von Deutschland und der guten Autobahnanbindung haben wir uns bewusst für das Eichsfeld entschieden." Lediglich die Lage am Ausbildungsmarkt könnte besser sein, sagt Schnizer. Vor allem Industrieelektroniker seien bereits jetzt schwer zu finden.

Fast genauso wichtig wie die Lage seien aber die "Soft-Skills", die die Gegend zu bieten habe. Vor allem das Traditionsbewusstsein der Menschen habe sich als unschätzbarer Vorteil erwiesen: "Hier ist der Familiensinn noch ausgeprägter als in anderen Gegend, die Leute sind bodenständiger", sagt Schwalbach. "Es herrscht ganz allgemein ein hohes Verantwortungsbewusstsein, dass man den Angestellten nicht beibringen muss - das wissen die Menschen selbst."

Verantwortungsbewusstsein beweist aber auch Aquila selbst: Zusammengeklebt werden die dreilagigen Pappen aus Altpapier ganz biologisch - nur mittels Maisstärke und Regenwasser aus der eigenen Zisterne. "Heute müssen wir außerdem 30 Prozent weniger Material einsetzen als vor 20 Jahren - bei gleicher Festigkeit." Bereits jetzt gibt es zudem Pläne, wie die Effektivität noch weiter gesteigert werden kann. Bei der Planung des Werks wurde bewusst auf einer Seite des Hochregallagers Platz für Anbauten gelassen. "Dort können sich Firmen ansiedeln, die unsere Produkte weiter veredeln." Von der anderen Seite des Gebäudes können diese Betriebe dann direkt auf das Hochregallager zugreifen. "Das spart Kosten und Kapazitäten", sagt Schnizer. Auch dafür laufen bereits erste Gespräche.

"Aquila ist ein sehr gutes Beispiel für den Nachhaltigkeitsgedanken, der auf der Sommertour eine wichtige Rolle spielt", sagt Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht nach dem Rundgang. "Solche Erfolgsgeschichten sind immer wieder beeindruckend." Ebenso zeige das Beispiel der Wellpappe-Experten, wie wichtig Traditionen und die Erhaltung der typischen Lebensart der Menschen in Thüringen sei. "Thüringen bietet eben beste Voraussetzungen, um für die Zukunft gerüstet zu sein."